OGV-Frauenstammtisch – Ausflug an den Bodensee am 1. August 2019

Frauen2019.jpgPünktlich um 7.30 Uhr starten wir in Richtung Tübingen.39 Frauen freuen sich auf diesen Ausflug und Dietmar genießt es sichtlich, dass er heute der „Hahn im Korb“ ist.
Die Strecke über Hirschau nach Rottenburg ist fast allen gut bekannt. Nach fast einer Stundestreifen wir die älteste Stadt in Baden-Württemberg, Rottweil. Das Thermometer zeigt immer noch 16 Grad an. Inzwischen haben wir fast den Rand des Schwarzwaldes erreicht. An der Raststätte Hegau wird die erste Pause gemacht. Der Himmel ist leicht bedeckt bei immerhin schon 19 Grad. Flinke Hände beschmieren die Brezeln mit Butter und andere schenken Sekt mit und ohne Orangensaft aus. Auch von den leckeren Flachswickel von Clara bleiben kaum welche übrig.
Bis jeder die Keramikausstellung (WC) besucht hat, können wir um 9.50 Uhr wieder starten.
Als wir eine Stunde später in Überlingen ankommen, zeigt das Thermometer schon 22 Grad. Dietmar lässt den Bus auf dem entsprechenden Bus-Parkplatz in der Nähe des Bahnhofs stehen und begleitet uns hinunter entlang der alten Stadtmauer. An den Landungsstegen und den Kassenhäuschen herrscht bereits lebhafter Betrieb. Dietmar besorgt die Bordkarten für uns. Bis zum Ablegen haben wir noch genügend Zeit, um entlang der fast fünf Kilometer langen Seepromenade spazieren zu gehen, die gesäumt ist von vielen Cafés und Restaurants. Für die Bodensee-Rundfahrt geht es um11.20 Uhr los. Überlingen ist in Sachen Bodenseeschifffahrt ein wichtiger Knotenpunkt. Von hier verkehren von Ostern bis in den Oktober viele Schiffe unterschiedlicher Anbieter. Nirgends sonst am internationalen Bodensee trifft eine so große Anzahlunterschiedlicher Schiffsunternehmen aufeinander. Somit ist Überlingen auch auf dem Seeweg ein idealer Ausgangspunkt zu den schönsten Ausflugszielen des Bodensees.
Genuss wird am Bodensee groß geschrieben. Nicht zuletzt dank des milden Klimas werden hier viele Wein-, Obst- und Gemüsesorten angebaut. Jährlich werden hier 250.000 Tonnen Äpfel geerntet. Kein Wunder also, dass die Region dem knackigen Obst jährlich mit den „Apfelwochen“ huldigt. Inzwischen knallt die Sonne herunter und fast alle suchen auf dem Schiff einen Schattenplatz. Auf der deutschen Seeseite des flächengrößten und tiefsten Sees Deutschlands befinden sich 39 Städte und Städtchen. Jede für sich ist einen Besuch wert. So eine Schifffahrt ist aber nicht nur praktisch. Sie gehört quasi zum Pflichtprogramm und ermöglicht Besuchern auch völlig neue Blickwinkel auf die wunderschöne Natur, die den Bodensee umgibt.
Überlingen liegt genau am Überlinger See, einem Teil des Bodensees. Die Stadt wurde erstmals 770 n. Chr. urkundlich erwähnt und war bis in 12. Jh. im Besitz schwäbischer Herzöge. 1180 erhielt sie die Stadtrechte, 1268 wurde sie Freie Reichsstadt, durchzunehmenden Wohlstand durch Wein- und Getreidehandel. Im 14.-16. Jh. entstanden die Zunfthäuser, Kirchen und Befestigungen. Nach dem 30-jährigen Krieg kam der wirtschaftliche Niedergang. Ab 1803 wurde es badisch. Heute ist es ein beliebtes Touristenziel und bekannt als „Riviera des Bodensees“. Während der Panoramaschifffahrtstreifen wir die Salemer Klosterkirche, die heutige Wallfahrtskirche Birnau, die Pfahlbauten von Unteruhldingen mit ihren eindrucksvollen Nachbauten der Stein- und Bronzezeit. Vor der Blumeninsel Mainau gibt es einen kurzen Stopp, weil einige Fahrgästeaussteigen wollen. Aus anderen Schiffen strömen massenweise Touristen vom Schiff auf die Insel Mainau. Ruhig und gemächlich gleitet der große Kahn durch die Wellen zurück zum Ausgangsort.
Nach etwa einer eineinhalb Stunde betreten wir wieder festen Boden. Nun haben wir Freizeit bis zur Abfahrt um 15.30 Uhr. Schnell bilden sich Grüppchen, die entweder etwas essen wollen, andere begnügen sich mit einer Portion Eis. Jeder kann tun, wonach ihm der Sinn steht. Nach einem gemütlichen Spaziergang entlang der Seepromenade kommt man an einem Brunnen vorbei, den man „Der Reiter“ nennt. Leider ist er zurzeit umrahmt von den Ersatzbauten für das Beachturnier. Der Brunnen Bodenseereiter ist ein Kunstwerk des Bildhauers Peter Lenk in Überlingen. Der Brunnen wurde 1999 errichtet und vor allem als Karikatur und groteskes Denkmal für den am Ort ansässigen Dichter Martin Walser bekannt. Die Stadt Überlingen erwartete sich eine Darstellung des Reiters aus Gustav Schwabs populärer Ballade „Der Reiter und der Bodensee“ Lenks Ausführung zeigt einen widerwillig vorwärts strebenden Gaul, darauf freudlos und starr vor Unbehagen mit den Zügeln in der Hand Martin Walser. Statt Stiefeln trägt der Reiter Schlittschuhe. Von der rund vier Kilometer langen Seepromenade kommen wir in den Stadtgarten.
Der Stadtgarten von Überlingen zählt durch die Artenvielfalt und die harmonische Verbindung von ungestalteter und gestalteter Natur zu den bedeutendsten botanischen Gärten der Vierländerregion Bodensee. Die klimatisch begünstige Lage am Fuße der Molassefelsen lässt auf einem Raum mediterrane und exotische Pflanzen gedeihen. Seine Entstehung verdankt er dem Wunsch der Stadt, den im Lauf des 19.Jahrhunderts zahlreicher werdenden Kur- und Badegästen auch einen attraktiven Parkbieten zu können. 1875 erhielt der Schlossgärtner von Heiligenberg den Auftrag, auf dem westlich der Stadt gelegenen Reb- und Gemüseland einen Garten anzulegen. Die ersten Pflanzen kamen von der Insel Mainau, wo es seit 855 einen großherzoglichen Park gab. Im 19. Jahrhundert, als Überlingen zu einer weithin bekannten und beliebten Kur- und Bäderstadt wurde, entstand auf weiteren Grünflächen der Badgarten. Bis zur Landesgartenschau 2020 wird der Gartenkulturpfad zwischen Badgarten und Stadtgarten verlegt. Der Weg führt vom Badgarten über die kleine Brücke am Gondele-Hafen und anschließend rechts zur Bahnhofstraße.
Im Stadtgarten mit seinen schattigen Plätzen unter hohen Bäumen befindet sich eine Gruppe von geschnitzten übergroßen Fabelwesen. Vom Gallergraben schlängelt sich der traumhaften Fuchsienweg am Fuß der mächtigen Stadtmauer mit Blick auf den mächtigen Gallerturm. Den Weg säumen unterschiedliche Fuchsienarten in Form von Sträuchern und Bäumchen.
Der Bau dieses Teils der Stadtbefestigung begann im frühen 16. Jahrhundert. Wie die meisten Überlinger Stadtgräben ist auch der Gallergraben von Menschenhand geschaffen. Durch das an verschiedenen Stellen austretende Wasser, das sich in einem Bächlein sammelt, verwandeln sich im Winter die bis zu 20 m hohen senkrechten Felsen in bizarre Eiswände.
Wir lassen uns Zeit und genießen die angenehme Kühle unter den altenhohen Bäumen. Aber langsam wird es Zeit, an den Rückweg zu denken. Schnell noch ein paar Fotos von verschiedenen Brunnen und einem alten Fachwerkhaus, bevor wir entlang der alten Stadtmauer in Richtung Bus-Parkplatz gehen. Fast pünktlich sind um 15.30 Uhr alle wieder eingetroffen. Das Thermometer zeigt inzwischen 29 Grad bei drückender Schwüle an. Dietmar nimmt für die Rückfahrt eine andere Route. Auf der B 312 fahren wir Richtung Pfullendorf, Sigmaringen und Riedlingen über die kleine Schwäbische Alb, ein Stückentlang der schmalen „jungen Donau“. Zum Abendessen sind wir in der Gaststätte Adler indem Ort Eglingen angemeldet. Eglingen liegt im nördlichen Bereich des Großen Lautertalsund ist somit eine Teilgemeinde von Hohenstein. Auch dieser Ort ist uralt und als Siedlung erstmals 904 urkundlich erwähnt. Die freundlichen Wirtsleute sorgen für rasche Bedienung und die verschiedenen Speisen werden zügig serviert. Aber jetzt wird zuerst der große Durst mit einem Radler oder Bier gelöscht. Kurz vor 19 Uhr treten wir die letzte Etappe an. Über Ödenwaldstetten, Bernloch und Kleinengstingen geht es hinab Richtung Honau, Unterhausen und Pfullingen. In Reutlingen geht es zügig voran. Sigrid bedankt sich im Namen aller Teilnehmerinnen für diesen tollen Ausflug. Er wünscht allen einen guten Nachhauseweg. Kurz vor 20 Uhr erreichen wir wieder Kirchentellinsfurt.
Ingeborg Schauer