Apfelbäume in Gefahr

Die vegetationsarme Winterzeit ist die Zeit wo sich viele Gütlesbesitzer und -innen sich um ihre Bäume kümmern. Im Rahmen einer Veranstaltung beim OGV Kirchentellinsfurt ist den Teilnehmern folgendes aufgefallen.
Beim Baumschnitt stellen die Mitglieder vermehrt Beschädigungen der Baumrinde fest. An Stamm und Ästen ist die Rinde bis auf das Splintholz abgestorben. Die freiliegenden Stellen bedeckt eine rußige Pilzschicht, siehe Bild 1.
Wird der befallene Ast abgeschnitten zeigt sich wie der Pilz die Borke, den Bast und das Kambium zum absterben bringt und selbst in das Splintholz hineinwachsen kann, siehe Bild 2.Das helle Holz zeigt noch Vitalität an.

AIG_1.jpg Bild 1                                             AIG_2.jpg
Bild 2     

Die Rindenschäden sind seit 2003 in verschiedenen Regionen der Bundesrepublik aufgefallen. Sie führen ohne Eingriff zum Totalverlust des Apfelbaumes.
Um der Gefahr für unsere Apfelbäume und Streuobstbestände zu begegnen, erteilte das Land Hessen der Landesanstalt Geisenheim einen dreijährigen Forschungsauftrag.
Nach umfangreichen Untersuchungen wurde der Pilz „Diplodia mutila“ als Krankheitserreger für das Apfelbaumsterben in Streuobstbeständen ermittelt. Über Diplodia Pilze ist in der Literatur bekannt, dass sie besonders Pflanzen,die unter Hitze-Trockenstress leiden, befallen. In Deutschland und der Schweiz wird deshalb die Frühsommer-und Sommertrockenheit als Auslöser für die Rindenkrankheit verantwortlich gemacht. Pilzsporen dringen auch in Rindenverletzungen ein und schädigen die Bäume zusätzlich.
Nicht befallen werden intensiv bewirtschaftete Apfelanlagen,vermutlich wegen des dort praktizierten Einsatzes von Fungiziden. Außerdem ist für Arten wie z.B. Birne, Kirsche, Walnuss bisher noch kein Befall festgestellt worden.

Was kann getan werden? Heißt die Frage zur Zukunft unserer Apfelbäume.
Chemische Lösungen, die wir sowieso nicht wollen, sind derzeit aufgrund fehlender Pflanzenschutzmittel nicht gegeben.
Bleibt uns als Notmaßnahme nur die befallenen Äste einzukürzen oder wegzuschneiden und das Holz zu entsorgen.
Als Gegenmaßnahme ist ein Baumschnitt zur Förderung des Wachstums und der Vitalität zu empfehlen. Selbstverständlich sollte das Schnittgut entfernt werden. Mulchen des Unterwuchses hält Feuchte im Boden und wirkt so dem Trockenstress entgegen. Zu vermeiden sind Verletzungen der Rinde durch Mähgeräte. Sind an befallenen Bäumen durch den Baumschnitt an Stamm oder starken Ästen große Wunden entstanden, sind diese mit fungizidhaltigen Verschlußmittel abzudecken.

Walter Stoll und Uwe Jakubik